Eine Art, viele Rassen und Eigenschaften im Laufe der Geschichte

Wie bei Hunden und Katzen gibt es bei den Hühner viele unterschiedliche Rassen und diese wiederum in verschiedenen farblichen Ausprägungen (sogenannte Farbschläge)

Keiner würde einen Pekinesen vor einen Schlitten spannen, und nur wenige stehen auf eine sabbernde Dogge auf der Couch.

Genau wie bei Hunden, sollte man sich also auch bei Hühnern schon vor der Anschaffung darüber werden, welche Anforderungen man an die neuen Gartenbewohner stellt, und welche Merkmale welcher Rasse(n) am besten zu diesen Vorstellungen passt.

Um Dir eine bessere Übersicht zu verschaffen, haben wir die wichtigsten Eigenschaften einer schönen Auswahl an Hühnerrassen übersichtlich zusammengefasst.

Geschichte des Huhns

Zu den heute über 180 verschiedenen europäischen Hühnerrassen war es ein langer, züchterischer Weg.

Höchst wahrscheinlich wurde das Urhuhn bereits in der Steinzeit von der einwandernden Gruppe der Indogermanen aus Südostasien mit nach Europa gebracht. Aus dieser Wildform entwickelte sich im Laufe von mehreren Jahrtausenden ein weniger scheues, besser an den Menschen angepasstes und weniger flugfreudiges Haushuhn. Dies geschah in mehreren Kulturkreisen von China bis Ägypten parallel.

Richtige Beliebtheit in Europa erfuhren Haushühner jedoch erst in der Römerzeit, als diese dann im großen Stil als Eier und Fleischlieferanten gehalten wurden. Es gab sogar ein römisches Lehrbuch, daß sich mit Hühnerhaltung beschäftigt, was zeigt, wie wichtig diese Tiere damals schon waren.

Im Mittelalter gehörten Hühner in Nordeuropa schon zum typischen Bild in der nordeuropäischen Landwirtschaft. Auch wurden über Handelswege neue Hühnerrassen, wie z.b. das Seidenhuhn aus China mitgebracht.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich aus den Tieren je nach Region verschiedene alte Landhuhnrassen, die dann im 19. Jahrhundert, als Tierausstellungen in Mode kamen, immer mehr züchterisch verändert wurden. Teilweise wurden extra dazu neue Rassen aus Asien importiert. Besonders in gehobenen Kreisen war die Zucht von seltenen, imposanten Hühnerrassen nur des Aussehens wegen eine ganze Weile lang der ganz große Renner.

Anfang des 20. Jahrhunderts begannen Geflügelzüchter, verschiedene Hühnerrassen miteinander zu kreuzen, um entweder die Eier oder die Fleischleistung zu steigern. Daraus entstanden die heute bekannten Fleisch- und Legerassen.

Zwei Weltkriege, in denen an Nahrungsmitteln gespart werden musste, ließ die Beliebtheit vieler Hühnerrassen zunehmend schwinden, weil man oft zu viel Futter in die Tiere stecken musste. Ertragsreichere Rassen setzten sich durch, weniger ertragreiche wurden selten oder verschwanden ganz.

In den 1960ern gelang mit der Entwicklung des Hybridhuhns in den USA der große Clou der Geflügelindustrie. Seitdem drängten immer mehr Hybriden auf den Markt. Nicht nur in der Geflügelindustrie, sondern auch auf ganz normalen Bauernhöfen findet man fast keine „alten“ Rassen mehr. Nur noch Liebhaber, Hobbyisten und Züchter erhalten alte Blutlinien. Erst in den letzten Jahren kommen alte Zweinutzungsrassen bei Biobauern wieder langsam in Mode.

Diese bedauerliche Entwicklung führte dazu, daß für Ottonormalverbraucher von heute alle Hühner gleich aussehen – sie kennen nur noch die von industriellen Großbetrieben künstlich gezüchteten, braunen oder weißen Hybriden.